Die Jagd nach dem Handy oder Ein schlimmer Mittwoch

Der Wecker klingelte und riss mich unsanft aus dem Schlaf. Ich schaltete ihn aus und sah auf die Uhr meines Handys. 04:15 Uhr, viel zu früh. Ich drehte mich um und schlief noch ein wenig. Erneutes Weckerklingeln. 04:30 Uhr. Ich zog mir die Decke bis zum Kinn, um weiterzudösen. Nach dem dritten Wecker dachte ich mir: „Noch 5 Minuten …“ 

Ich schreckte auf und schaute erneut auf die Uhr. 05:02 Uhr. Verdammt! Ich schaltete meine Nachttischlampe an, schlug die Decke zurück und schwang meine Beine über die Bettkante. Einen kurzen Augenblick musste ich warten, bis mein Kreislauf sich an die aufrechte Position gewöhnt hatte. Die Zeit nutzte ich, um zu meinen Tee auf dem Fensterbrett zugreifen. Ich öffnete die Flasche und trank in großen Schlucken. Meine Kehle war wie ausgetrocknet. Und der Tee schmeckte auch echt gut. 

Ich gähnte noch einmal herzhaft, dann stand ich auf und suchte frische Klamotten zusammen. Nach einer Viertelstunde war ich angezogen, gekämmt, hatte die Zähne geputzt, Haare gekämmt und meine Tasche gepackt. Mein Vater ging bereits zum Auto und ich zog schnell Jacke und Schuhe an und folgte ihm. 

Es war immer eine Fahrt von 5 Minuten, aber zum Laufen war es zu weit. Mein Vater setzte mich an der Bushaltestelle ab und ich gähnte herzhaft, während ich meinen Geldbeutel rauskramte. Da kam auch schon der Bus und ich stieg ein. Zum Lesen oder Nintendo 3DS zocken war ich zu müde, also holte ich meine Kopfhörer raus, hörte Musik und döste. Auch nach dem ersten und zweiten Umstieg döste ich. Irgendwann machte ich die Musik aber aus, packte meine Kopfhörer weg und schaute, was mir so in Whatsapp geschrieben wurde. Ich antwortete auf ein paar Nachrichten und lege dann das Handy neben mich auf den Sitz. Ich döste weiter und 10 Minuten später kam der Bus an meiner Endhaltestelle an. Schnell packte ich meinen Rucksack und die Tüte mit dem Paket, das ich später verschicken musste, und stieg aus. Ich machte meine Jacke zu, setzte den Rucksack auf und wollte mein Handy in die Hand nehmen … Doch es war weg. Nein! Der Bus fuhr bereits durch das Tor. Einholen war also unmöglich. Mist! 

Ich rannte zur Arbeit, schloss eilig die Tür auf und eilte zu meinem Platz. Nochmal kurz den Rucksack durchsucht… Mist, das Handy ist wirklich weg! 

Ich startete den PC, was gefühlt unendlich lange dauerte. Endlich konnte ich mein Passwort eingeben. Ich wartete, bis sich Outlook und die Telefonsoftware geöffnet hatten… Doch die Telefonsoftware hängte sich auf. Das darf doch wohl nicht wahr sein! Kein Browser ließ sich öffnen und ich konnte den PC mal wieder nicht neustarten. Also hard reset… Nun funktionierte alles, wie es sollte! Ich öffnete Mozilla Firefox und suchte nach der Telefonnummer des Busunternehmens. Schnell fand ich sie und rief an. Eine Frau ging ran. 

„Guten Morgen! Mohler Busunternehmen. Mit wem habe ich das Vergnügen?“, begrüßte sie mich.

“ Guten Morgen! Hier ist Denise W. Ich wollte mein Handy als vermisst melden. Ich habe es im Bus vergessen“, antwortete ich. 

„Bei welcher Linie um wie viel Uhr war das denn?“ Ich nannte ihr die Linie und die Uhrzeit, sowie die Haltestellen, an denen ich ein- und ausgestiegen bin. „Ah, tut mir leid! Das fällt leider nicht unter meinen Zuständigkeitsbereich, sondern unter den von Frau Schwerin in G. Sie kommt aber erst in einer Stunde ins Büro. Ich sag ihr Bescheid, dass sie Sie dann zurückrufen soll.“ 

„Okay, dankeschön. Schönen Tag noch!“, sagte ich und legte auf. Ich seufzte… Eine Stunde noch warten? Nun gut. Ich ging in die Küche und machte mir schnell einen Tee und bereitete mein Frühstück zu. Damit setzte ich mich wieder an den Schreibtisch und begann zu arbeiten. Konzentrieren war nicht richtig möglich, aber Rechtecke in den Grafikprogrammen herumschieben war okay, bis ich endlich mehr schaffte und meine Ausbildungstexte überarbeiten konnte. Eine Stunde verging, zwei Stunden,… Aber es riefen nur Kollegen an, die meinen Ausbilder sprechen wollten. Er hatte sein Telefon erneut auf mich umgestellt. Ich beantwortete die Anrufe und irgendwann reichte es mir und ich rief erneut an. Wieder ging eine Frau ran, dieses Mal aber jemand anderes. Ich schilderte ihr mein Anliegen und sie verband mich mit einer Kollegin. Diese konnte ich dazu bringen, nach meinem Handy zu forschen. Sie versprach, mich gleich zurückzurufen. Na gut … 

Also arbeitete ich weiter. Nach einer Viertelstunde kam auch schon der Rückruf! Na endlich! 

Sie sagte mir, dass das Handy gefunden und beim Busfahrer abgegeben wurde und ich könnte es morgen früh bei der gleichen Strecke abholen. Morgen früh erst …? „Tut mir leid, aber könnten Sie mir sagen, wann der Bus erneut durch L. kommt? Dann warte ich an einer Haltestelle und hole es mir heute noch ab“ schlug ich deshalb vor. „Also … Moment,“ sagte sie und packte mich in die Warteschleife. Nach wenigen Minuten war sie zum Glück wieder dran.“ Also der Bus fährt um 11:46 Uhr an dieser Haltestelle und um 11:48 Uhr an dieser. Und um 13:45 Uhr ist er am Markt.“ 

„Okay, vielen Dank!“, sagte ich, „Dann hole ich das Handy um 11:46 Uhr dort an der Haltestelle.“ – „Alles klar. Ich sag dem Busfahrer Bescheid!“, antwortete sie und legte auf. 

Ich sagte meinem Chef Bescheid, der sofort anbot, mich zu fahren, da die Haltestelle etwas zu weit war. Ich willigte ein und so fuhren wir eine Stunde später los. Allerdings warteten wir an der falschen Haltestelle, weshalb ich enttäuscht wieder ins Büro ging, um erneut dort anzurufen. 

Zwei weitere Stunden später stand ich pünktlich an der richtigen Haltestelle und konnte kaum entspannt sitzen. Ich lief umher und starrte unentwegt zum Tor… Eine Bewegung aus dem Augenwinkel ließ mich zusammenzucken und ich drehte mich um: Der Bus fuhr vorbei. Aus der anderen Richtung. Ich war auf der falschen Straßenseite! 

Ohne darüber nachzudenken rannte ich los und winkte wie wild mit den Armen. Wenn er am Tor ankäme, würde ich ihn sicher noch einholen können… Doch ich war zu langsam, das merkte ich und meine Hoffnung schwand geschwind. Ich wollte gerade enttäuscht aufgeben, als ein Auto neben mir hielt und die Beifahrertür aufging. „Steig ein, wir holen den noch ein!“, rief der Fahrer, ein älterer Herr mit Hut. Ohne darüber nachzudenken, dass das eine furchtbare Idee sein könnte, stieg ich ein und schlug die Tür zu. Und schon fuhr der Mann los und dem Bus hinterher. Es dauerte einige Haltestellen, bis wir überholen konnten und an der nächsten Haltestelle anhielten. Ich stieg hastig aus … Doch der Bus fuhr bereits vorbei. Das gibt es doch nicht! Ich stieg wieder ein und der Rentner fuhr weiter hinterher. Bei der nächsten Haltestelle hielt der Bus endlich an und ich konnte schnell zur Tür laufen. Mit einem Grinsen gab mir der Busfahrer mein Handy wieder und entschuldigte sich: „Sorry, hab es jetzt erst bemerkt. Hier bitteschön und schönen Tag noch!“ Lachend schloss er die Tür und ich ging freudestrahlend und erleichtert zum Auto des Rentners zurück. Der lächelte und meinte: „Komm, ich fahr dich zurück.“ 

Während der Rückfahrt bedankte ich mich gefühlt hundert mal und der Rentner wehrte lachend ab: „Das passt schon. Ich hab ja viel Zeit und ich bin froh, wenn ich helfen konnte!“ Am Parkplatz bei meinem Büro ließ er mich raus, verabschiedete sich mit einem „Nicht so viel arbeiten!“ und fuhr davon. Erleichtert ging ich zurück zur Arbeit und dankte im Stillen weiter solch tollen und hilfsbereiten Menschen! 

Dieser nette Rentner hatte mir echt den Tag gerettet! 
Das war gestern echt so eine Sache … Aber es ging ja dann gut. 🙂 Manchmal gibt es eben doch noch hilfsbereite Menschen, die die Welt ein bisschen besser machen. 

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